Einer der wenigen, die bislang ein paar Kommentare im Blog hinterlassen haben, ist der Betreiber des wohl größten deutschen Fahrrad-Dashcam-Kanals bei Youtube. Bereits im letzten Jahr hatte ich ihm ein paar meiner Clips übermittelt, die er auch in einige seiner Videos integrierte. In einer Konversation per e-mail schilderte ich ihm meine Verzweiflung darüber, mit meinem Geblogge weiterhin niemanden zu erreichen. Meine umfangreichen Beiträge zum „Radverkehrskonzept“ wurden bspw. bislang nur 11 bzw. 10 mal aufgerufen. Die erfolglose Zeit bei X hat mir nebenbei bestätigt, dass die meisten sich bestenfalls noch über ein paar spektakuläre Clips von der Straße aufregen möchten. Wie zum Beispiel den folgenden, der am 5. April 2024 am Ortsausgang des Dahner Stadtteils Reichenbach entstand.
Denn ohne „Action“ geht wohl heute gar nichts mehr? An diesem Tag drehte ich mit 119,7 km die bis dato längste Rennradtour der noch jungen Saison. Die sehr ruhige Route führte bei frühlingshaften Temperaturen überwiegend durch Frankreich (u. a. übers malerische Wineckerthal) und gegen Ende das Wieslautertal hinauf. In jenem Tal gibt es als Alternative zu den klassifizierten Straßen den sogenannten „Pamina-Radweg Lautertal“, über den ich vor einer Weile schon einmal geschrieben hatte. Ich nutze diese über fast ausnahmslos ungewidmete Wirtschaftswege führende Radroute mit dem Rennrad eigentlich nur im Ausnahmefall.
Auch an diesem Tag zog ich die zügige und ununterbrochene Fahrt über die L 489 und B 427 auf der Vorfahrtstraße dem Gegurke auf der Westseite der Wieslauter gelegenen, von unberechenbaren Radtouristen übervölkerten Buckelpiste vor. Der problematischste Abschnitt ist hierbei jener zwischen dem Dahner Ortsteil Reichenbach und der Stadt Dahn unterhalb des beeindruckenden Hochstein-Felsmassivs. Die B 427 führt um den ins Wieslautertal hineinragenden Sporn herum. Vor allem dort erlebe ich immer wieder den bösartigsten und gestörtesten Scheiß.
Warum? Weil einige Dosen-Eichmänner meinen, sie hätten ein Vorrecht auf die Nutzung der B 427; vor allem am Hochstein. Und Radfahrer hätten sich generell auf den „Radweg“ zu verpissen. Wer mich kennt, weiß, dass ich diese Unmentalität bis ans Ende meiner Tage alleine durch meine physische Anwesenheit auf solchen Straßen bekämpfen werde. Damit müssen unter anderem auch Busfahrer der QNV klarkommen. Auch wenn es manch einem schwerfällt.
Zu den Fahrleistungen des QNV-Personals werde ich, wenn mich nicht einer dieser Irren vorher ins Grab befördert, zu gegebener Zeit auch noch einen kleinen Film zusammenschneiden. Die QNV steht hierbei symptomatisch für das, was am Ende dabei herauskommt, wenn man Teile der öffentlichen Daseinsfürsorge (wie den ÖPNV) teilweise privatisiert bzw. betriebswirtschaftlichen Zwängen unterwirft. Und am Ende bei sogenannten „Ausschreibungen“ dem billigsten Anbieter den Zuschlag gibt. Die QNV ist letzten Endes ja auch nicht die Heilsarmee. Sondern eine GmbH. Also eine Kapitalgesellschaft. Und deren Eigentümer wollen nur eines: Profit.
Diesen kann man in einem trotz allem starren System (das Unternehmen erhält quasi über Jahre ein Monopol und garantierte Gelder aus öffentlichen Mitteln) in erster Linie durch Einsparungen beim Personal erreichen. Man presst die armen Schweine (meist, wie auch bei den Paketsklaven mit Migrationshintergrund), die teils vom Jobcenter in die Schnellausbildungen zum Busfahrer geprügelt werden, ordentlich aus. Indem man sie beispielsweise für schlechte Leistungen abmahnt. Dazu zählen zum Beispiel zu viele Ausfälle oder Verspätungen, welche der Aufgabenträger mit Strafabschlägen sanktioniert. Außerdem legt man auch keinen besonders großen Wert auf die Fähigkeiten und Eigenschaften der Fahrer als solche.
Wie dem auch sei. Der Busfahrer, der mich direkt hinter dem Fahrbahnteiler am Ortsausgang von Reichenbach teils über die Sperrfläche sehr eng überholte, war allerdings kein zwangsrekrutierter Flüchtling aus Syrien, sondern eine typisch deutsche Kartoffel. Circa 55 Jahre alt, graue Haare – und mit urdeutschem Schnäuzer in der Visage. Er hatte, wie eigentlich alle Asozialen, die Radfahrer vorsätzlich nötigen oder gefährden, mit Sicherheit nicht damit gerechnet, dass wir uns nach gut fünf Minuten noch einmal wiedersehen würden.
Denn mir fiel am Dahner Ortseingang beim Blick nach rechts ein blauer QNV-Bus auf, der auf dem großen Parkplatz vorm Kurpark stand. Im absoluten Haltverbot übrigens. Also bog ich am Kreisel ebenfalls rechts ab, fuhr hoch – und sprach den Fahrer mal auf seine Aktion an. Leider hatte ich mir das Kennzeichen nicht gemerkt. Ich wusste also bei der Ansprache nicht mit Sicherheit, dass das derselbe Bus gewesen ist.
War es aber. Denn dessen Fahrer log mir auf meine Frage hin, ob er das eben gewesen wäre, der mich in Reichenbach mit etwa einem halben Meter Abstand überholt hatte, dreist ins Gesicht, dass „er schon eine halbe Stunde hier stehen würde“. Die Unschuld vom Lande fragte mich stattdessen in einem mitfühlenden Ton, wie lange es denn her sei? Er verwies auf einen anderen Bus bzw. wäre einer seiner Kollegen dann weiter in Richtung Stadtmitte gefahren. Er hätte nicht darauf geachtet. Ich teilte ihm mit, dass es nicht das erste Mal gewesen wäre, dass ich mit QNV-Bussen solche Probleme gehabt hätte.
Es fahren ja auch viele hier rum.
Einige seiner Kollegen, so wurde ich deutlich, scheinen den Führerschein im Lotto gewonnen zu haben? Auf diese „Provokation“ hin hatte er sich dann doch zur folgenden Aussage hinreißen lassen:
Es gibt doch Fahrradwege?
Ich war mir nicht sicher, ob er den freigegebenen Gehweg in Reichenbach oder den „Wieslauter-Radweg“ meinte. Meinen Widerspruch, dass das keine Radwege seien, ließ er nicht gelten.
Warum machen die die denn überall?
Ich wiederholte meine Feststellung, dass das keine „Fahrradwege“ seien. Außerdem wäre es mir egal. Ich benutze eine öffentliche Straße, die ich auch benutzen darf. Seine Antwort:
Auf dem Fahrradweg kommt kein QNV-Bus.
Auch das wäre mir egal. Er lachte darauf hin nur noch blöd. Ich hätte es ja auf Kamera – und das gäbe eine Strafanzeige.
Dann ist ja gut, ne?
Anschließend fuhr ich weg. Um abends am PC die Kennzeichen zu vergleichen – und festzustellen, dass dieser Feigling nicht die Eier hatte, sein in meinen Augen kriminelles Fehlverhalten mir auch im direkten Gespräch gegenüber einzugestehen.
Damals, zu Beginn meiner Dashcam-Zeit, war ich bereits der Meinung, welche sich im Laufe des Jahres 2025 leider mehrfach bestätigen sollte: Strafanzeigen bringen nichts. Nachdem ich Ende April zwei weitere Nahtoderlebnisse mit Busfahrern der QNV bei Pirmasens hatte, schnitt ich einen Clip zusammen und sendete ihn an die QNV. Trotz zahlreicher weiterer Beschwerden in der Folgezeit war dies die einzige Reaktion, die ich jemals von diesem Unternehmen erhielt:
vielen Dank für das zugesendete Videomaterial.
Wir werden jeden Vorfall dringlich recherchieren und den Fahrer feststellen, der den Verstoß und die Gefährdung von Ihnen leichtsinnig in Kauf genommen hat.
Künftig werden wir, auch wenn wir dies selbstverständlich voraussetzen, eine erneute Dienstanweisung zum Umgang im Straßenverkehr mit Fahrradfahrern auf den Weg bringen.
Bitte entschuldigen Sie vielmals die Vorkommnisse und geben uns erneut Bescheid, wenn ein solcher Vorfall erneut eintreten sollte. Vielen Dank.
Das war natürlich genauso erstunken und erlogen wie die Aussagen des Busfahrers in Reichenbach. Er wird mit Sicherheit bis heute für die QNV durch die Gegend marodieren. Und weiterhin mit Vorsatz Radfahrer gefährden. Um sie mittels einschüchternder physischer Gewalt auf „Radwege“ zu zwingen, die gar keine sind. Weitere Beschwerden über den Aufgabenträger (den ZÖPNV Süd und den Landkreis Südwestpfalz) anlässlich weiterer Zwischenfälle brachten ebenfalls nichts.
Zwischen den beiden Clips entstanden übrigens alleine auf dem Hochstein-Abschnitt noch vier weitere; unter anderem überholte mich kaum eine Minute nach dem QNV-Bus noch ein besonders gestörter Fahrer eines Pickups mit Anhänger mit ca. 30 cm Abstand. Ebenfalls vorsätzlich.
Ich fahre seit März 2024 mit meiner Lenker-Kamera durch die Gegend. Jeden Monat schneide ich hierbei ca. 20 bis 25 Minuten an Filmmaterial zusammen – obwohl die meisten Clips nur 3 bis 4 Sekunden kurz sind. Schade, dass auch diese Arbeit so wert- und sinnlos ist wie alles andere, was ich in Bezug zum Thema Radverkehr über die Jahre geleistet habe. Danke. Für nichts.