Notizen vom Rande des Abgrunds (5)

Es ist kalt geworden. Zumindest die Temperaturen draußen. Kälte ist allerdings der normale Zustand auf diesem von primitiven Nacktraubaffen bevölkerten Planeten. Viele ertragen ihre seelenlose Existenz im Neoliberalismus nur, indem sie eine dicke Mauer aus Ignoranz um sich herum hochziehen. Alles, was einen selbst nicht betrifft, interessiert nicht. Ohne zu verstehen, dass einen sehr wohl alles betrifft. Während des Corona-Terrors stolperte man immer wieder über die üblichen Zitate und Memes, die eindringlich davor warnten, Unrecht nur dann zu beklagen, wenn man selbst davon betroffen ist. Gelebt hat es so gut wie niemand; vor allem nicht hinterher. Wenn man sich die globale Lage so ansieht, muss man konstatieren, dass viele von uns den Dritten Weltkrieg noch er-, aber nicht überleben werden.

Die USA haben bekanntlich Venezuela überfallen und den Präsidenten eines souveränen Staates entführt, um ihn in einem sprichwörtlich kafkaesken Gerichtsprozess vorzuführen. Angeblich taten sie das auch, um das von einem „brutalen Diktator“ unterdrückte Land und dessen Bevölkerung zu „befreien“. Es sind mal wieder Konservative, deren natürlicher Lebensraum seit jeher der Enddarm beliebiger Autoritäten darstellt, die das endgültige Ende des Völkerrechts unkritisch bejubeln. Da stört einen auch nicht mehr, dass ICE-Agenten, die einer Trump-Version der SS entsprechen, eine Mutter kaltblütig ermordet haben. Begründung: Sie hat nicht gehorcht.

Dem nicht genug, haben die USA in einem weiteren Akt der Piraterie einen unter russischer Flagge fahrenden Tanker geentert. Ja, ernsthaft. Und was macht die deutsche Presse, die Trump über Jahre als neuen Hitler verteufelte? Das, was diese Journutten am Ende immer tun: Die Fresse halten. Außerdem droht die Trump-Regierung weiterhin unverhohlen mit einer Annexion von Grönland. Der Völkermord in Gaza findet weiterhin statt; wenn nun auch in einem verminderten Tempo; jedoch weitestgehend wieder unter Ausschluss des Interesses und Mitgefühls der Weltöffentlichkeit. Auch im Iran sollen vom Mossad angefachte Proteste und Unruhen als Vorwand eines militärischen Eingriffs von Seiten des selbsternannten Welt-Polizisten USA dienen. Der nächste Angriff Israels auf den Iran scheint dessen ungeachtet bereits eine ausgemachte Sache zu sein.

In Deutschland bastelt man hingegen nach Jahren einer vermeintlichen „linken“ Hegemonie wieder daran, das altgediente Feindbild eines „linken Terrorismus“ neu anzufachen. Ich könnte jetzt über den Stromausfall in Berlin und dessen Konsequenzen auch einfach nur mit den Achseln zucken. So, wie das die überwältigende Mehrheit mit mir tut, wenn ich mal wieder in meinen irrelevanten Blog über die teils nur noch als kriminell zu bezeichnende Unfähigkeit unzähliger Behörden und Politiker berichte. Was erwartet ihr denn bitteschön von so einem dysfunktionalen Apparat, der bereits an einem korrekten Vollzug der StVO scheitert? Wenn es euch nur dann interessiert, wenn ihr die Scheiße sprichwörtlich in der bitterkalten Bude stehen habt, dann geschieht euch das völlig zurecht. Denn: Ignoranz ist Stärke.

Danke. Für nichts.

13 Gedanken zu „Notizen vom Rande des Abgrunds (5)“

  1. Tja, so sieht’s aus im Failed State.

    Hier, wo ich wohne, sind die Grünen am Ruder. Hier werden die Radwege geräumt, aber die Bürgersteige nicht. Als Fußgänger ist man gezwungen, auf dem Radweg zu gehen und sich vom erstbesten Lieferando-Rambo mit seinem unbeleuchteten Lastenfahrrad über den Haufen fahren zu lassen.

    Der Stromausfall ist auch so ein klassisches Beispiel. Immerhin hat es das THW nach Tagen geschafft, an einigen strategischen Punkten Dieselgeneratoren und riesige Scheinwerfer aufzustellen. Danach haben die Helden sich in den Lichtkegel gestellt und sich mit ihren Handies gegenseitig fotografiert und „Selfies“ gemacht.

    Aber wahrscheinlich sollten wir froh und dankbar sein, daß es uns noch nicht so ergangen ist wie den Leuten im Ahrtal damals.

    Demnächst werden die Menschen die globale Mafia, auch „Elite“ genannt, auf Knien anflehen, doch bitte alles zu übernehmen, weil: die Gewählten können es ja nicht. Dann dürfte das eigentliche Ziel des Ganzen erreicht sein.

    1. Das Räumen der Gehwege wird ja in aller Regel per Satzung den Grundstücksbesitzern übertragen.

      Stromausfall haben wir hier ständig. Im Schnitt bestimmt zwei bis drei Mal im Jahr. Nur halt nicht so lange. Aber ja; so läuft das. Man muss Alternativen zum totalen Kapitalismus nur unattraktiv genug machen. Und wer sich weigert, seine Bodenschätze an US-Konzerne zu verschenken, der wird halt Nachts mit dem Kampfhubschrauber aus seinem Präsidentenpalast abgeholt. Am schlimmsten finde ich halt die ganzen Libertären, Neoliberalen, Autoritären und Konservativen. Weil sie absolut gar nichts raffen. Okay, das gilt inzwischen auch für einen Großteil dessen, was früher mal „links“ hieß.

      Möge bald endlich einer den roten Knopf drücken.

      1. „Das Räumen der Gehwege wird ja in aller Regel per Satzung den Grundstücksbesitzern übertragen.“

        Ist übrigens das, was hier in Düsseldorf, gefühlt noch halbwegs funktioniert.

        Straßenräumung und auch Fahrradwege war hier in den letzten Wochen absolute Fehlanzeige, selbst die Autobahnen räumen die nicht mehr so wie früher.
        War die ganze Zeit mit dem Rad auf dem Weg zum und vom Büro im Schneckentempo unterwegs und habe mich zum Glück kein einziges Mal lang gemacht.
        Und das ist hier Landeshauptstadt, wo noch ein wenig Geld da ist… und trotzdem funktioniert vieles nicht mehr. Die Fahrradfahrer sind hier allerdings nicht weniger benachteiligt. Es trifft wirklich alle.

        Zum Thema „Libertären, Neoliberalen, Autoritären und Konservativen“, die lieferten ja schon bei Gaza ab, was man leider erwarten konnte. Es gibt aber Ausnahmen wie immer. Ein Max Otte z.B. übt deutliche Kritik.

        Die ganze Kapitalismuskritikschiene teile ich so übrigens nicht. Die Verwerfungen, die er systemisch hervorbringt, sind mir schon klar, aber ich denke jede Gesellschaftsform ab einer gewissen Größe, die der Mensch schafft, bildet am Ende Strukturen aus, die von Machtgefälle -missbrauch, Profiteuren und Unterdrückung geprägt sind. Oder wüsstest du ein Beispiel, wo das nicht so ist?
        Und in kleine Strukturen des kollektiven Zusammenschlusses wie es die vielleicht noch bei Indigenen irgendwo im Urwald gibt, führt halt auch kein Weg zurück.

        1. Zum Thema Kapitalismus: Es ist immer noch die Frage, wie weit man diese Psychopathen gewähren lässt – und das ist auch unser eigentliches Versagen. Dieses „Gesellschaftsmodell“ kitzelt auf jeden Fall die übelsten Eigenschaften des Nacktraubaffens hervor und macht sie zur alltäglichen Handlungsmaxime. Dann braucht man sich jedenfalls über soziale Kälte, Ungleichheit, Mord und Totschlag auch nicht mehr wundern. Besonders absurd daran ist, dass ein Großteil der (konservativen) Corona-Kritiker auch in diesem Fall wieder genau jene hässliche Fratze zeigen, die sie damals an den Zeugen Coronas ausgemacht hatten. Das lässt sich insbesondere beim Thema Polizei / „innere Sicherheit“ ablesen. Und es hat mich (denke ich) auch einige Leser gekostet, weil ich relativ früh festgestellt habe, dass diese Leute autoritäre Arschlöcher sind – die nur deshalb angepisst waren, weil sie bei dieser Variante des Milgram-Experiments ausnahmsweise mal nicht der Gefängniswärter, sondern der Häftling waren.

          1. Aber welches Gesellschaftsmodell wäre eine funktionierende bessere Alternative? Das ist eine wirklich ehrlich gemeinte Frage. Schlussendlich geht es ja um Macht und wer sie hat und wie schafft man eine Gesellschaft, in der wir es dauerhaft schaffen Macht so zu limitieren, dass jeder einen Teil davon behält? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Im Kleinen geht das, wo jeder jeden kennt, aber in großen Gesellschaften?
            Und ja, da gebe ich dir recht was die Corona Kritikerszene betrifft, besonders was das konservative Lager anbelangt, am Ende erweisen sie sich als genau das, „autoritäre Arschlöcher“… sind aber während Corona als große Freiheitskämpfer aufgetreten, Dissonanz pur. So jemand wie ein Steinhöfel könnte dafür kaum weniger exemplarisch sein. Aber auch ein Marcel Luthe macht da keine bessere Figur… alle Kämpfer für Grundrechte, aber wenn in anderen Ländern Menschen weggebombt werden, dann geht das für sie schon klar. Was mit deren Grundrechten ist… latte, waren halt auf der falschen Seite.

          2. Das Thema führt für so einen Kommentarstrang definitiv zu weit. Es wäre schon einmal ein Anfang, festzustellen, was das herrschende System aktuell bzgl. Venezuela betreibt. Ich hatte es mir ja aber nicht nur mit den konservativen Corona-Dissidenten verschissen, sondern auch mit den tendenziell linkeren bzw. antikapitalistischeren. Weil ich ihnen unentwegt die Wahrheit geschrieben habe: Ihr seid nichts anderes als Sklaven! Und solange ihr nicht endlich realisiert, dass ihr im Grunde nichts als eure Ketten zu verlieren habt, brauchen wir uns über alternative Gesellschaftsmodelle auch gar nicht unterhalten. Denn selbst die allermeisten „Systemkritiker“ ziehen eine gewisse Unfreiheit einer ungewissen Freiheit vor. Aktuell macht auch die Mitteilung von Hyseyin Dogru die Runde. Die EU-„Sanktionen“ hungern ihn und seine Familie sprichwörtlich aus. Im Endeffekt macht dieses kranke System mit (unbeugsamen) Leuten wie mir auch nichts anderes. Interessiert aber keinen. Ist ja „normal“.

      2. Ja, richtig. Für die Bürgersteige sind die Grundstücksbesitzer zuständig. Das sieht dann so aus, daß die Hausverwaltungen eine Winterdienst-Firma beauftragen, für deren Dienste jeder Mieter oder Eigentümer monatlich einen gewissen Betrag abdrücken muß. Das funktioniert auch sehr gut, besonders im Sommer. An den wenigen Tagen alle paar Jahre, wo mal was zu tun wäre, sind allerdings dann die meisten Winterdienstleister leider verhindert. Die können ja schließlich nicht überall sein, und so plötzlich können die ja auch gar kein Personal beschaffen, und außerdem haben die ja auch alle immer noch Long Covid. Das muß man doch verstehen. Und rate mal, wer dann haftet? Nicht etwa die Firma, die ihren Pflichten nicht nachkommt, sondern immer noch Du. Du zahlst also regelmäßig für eine Leistung, die Du nicht bekommst, fliegst bei Glätte trotzdem vor dem eigenen Haus auf die Schnauze, und wenn jemand anderes da auch auf die Schnauze fliegt, bist Du auch das schuld und wirst dafür zur Verantwortung gezogen. Dafür, daß das so ist, hat die Rechtsprechung und die Gesetzgebung hier in den letzten Jahren gesorgt. Und auf öffentlichem Grund wird hier auch nichts getan. Nicht einmal der Gehweg vor der BSR (Berliner Stadtreinigung) war in den letzten Tagen passierbar.

        1. Da muss ich jetzt aber doch mal fragen: Wo ist das bei dir mit den Winterdienst-Firmen? Habe ich so wirklich noch nie irgendwo mitbekommen. Sehe überall, wo ich die Bewohner halbwegs kenne, nur Leute, die das selbst machen.

          1. Übrigens: Gruß nach Düsseldorf! Ich bin in Düsseldorf geboren. Aufgewachsen bin ich in Neuss.

          2. OK, diese Größen gibt es hier halt eher selten. Berlin -so unerstelle ich mal- ist aber halt auch nicht repräsentativ für das gesamte Land.

            Wann bist du weg aus Düsseldorf?

          3. Ich bin vor Urzeiten weg aus Düsseldorf. 😉

            Ob Berlin repräsentativ ist? Ja und nein. Ich glaube nicht, daß es regionale Probleme aus Pirmasens oder Berlin sind, über die wir hier reden. Das sind globale Entwicklungen, die sich in Mißständen, wie Dennis und auch ich sie beschreiben, widerspiegeln. Für diese Entwicklungen ist wahrscheinlich so ziemlich jede Stadt der Welt inzwischen repräsentativ.

        2. Jo. Das ist in der Tat absurd, dass Städte und Gemeinden sich nur halbwegs in Sachen Winterdienst bemühen müssen. Aber gleichzeitig von dir verlangen dürfen, morgens um 6 Uhr den Gehweg freigeräumt und gestreut zu haben. Und das auch bei starkem Schneefall den ganzen Tag zu wiederholen; obwohl sie ebenfalls von dir verlangen, als braver Lohnsklave den ganzen Tag zu buckeln. Vor allem bei größeren Mietobjekten führt das dann halt auch noch zu solchen Geschäftsmodellen wie jene, die du nennst. Mir fällt auch auf, dass nicht selten vor gewerblichen Gebäuden ebenfalls nicht oder kaum geräumt und gestreut wird.

          Siehe halt vor allem auch mein B-10-Problem: Man verbietet dir die Nutzung einer sehr wichtigen und daher top geräumten Straße – und wenn du dich auf der „Alternative“ aufs Maul legst, sagt man dir: Pech gehabt.

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