Carbon-Lenker am Rennrad gebrochen

Wenn man arm ist, fährt man halt sprichwörtlich auf Verschleiß. Als ich mir 2010 den Luxus eines italienischen Carbon-Rennrads gönnte, hatte ich mit einer Nutzungszeit von 7 bis 10 Jahren kalkuliert. Inzwischen fahre ich mein Basso-Rennrad seit fast 16 Jahren. Ein Neues konnte ich mir keines mehr leisten. Nein; das hier zu erwähnen, ist auch kein „Selbstmitleid“. Es ist die Schilderung eines Lebens in einer Gesellschaft, die sich bis heute beharrlich weigert, meine Arbeit und Leistung anzuerkennen.

Wer sich gut 10 Jahre in Sachen Radverkehr engagiert und auch schon fast so lange darüber schreibt, der müsste eigentlich früher oder später auch Sponsoren finden, die ihm bspw. hin und wieder einen fahrbaren Untersatz spendieren.

Allerdings nicht bei mir. Vor Kurzem schrieb ich nochmal den Fahrradladen in Bundenthal an. Mit dem Chef hatte ich mich im Mai auf der Platte eigentlich gar nicht mal so schlecht unterhalten. Aber auch dort spürte ich trotz vieler Übereinstimmungen keinerlei Wertschätzung für das, was ich tue; man gab mir auch wieder nur das Gefühl, ich sei hier der Irre. Folglich blieb dann auch meine neuerliche Nachricht, in welcher ich den Chef des Ladens auf die aktuellen Zustände an der B 10 hinwies, ohne jede Reaktion. Auch dieser Laden wird mir also für mein Engagement nicht einmal eine Schaltzug-Endkappe spendieren.

Von einem neuen Rennrad oder wenigstens einem neuen Lenker ganz zu schweigen. Heute war eh wieder so ein Tag, an dem gar nix lief. Am Donnerstag fiel mir im Kaufland am Süßigkeiten-Regal ein Coupon-Streifen auf. Beim Kauf von Snickers- oder Mars-Produkten erhielt man ab 10 Euro einen Rabatt von 3 Euro. Also gönnte ich mir nach ewigen Zeiten mal wieder ein wenig Süßkram. Umgerechnet 1,39 Euro je 250-Gramm-Packung ist in Zeiten der rasenden Inflation fast schon ein Schnäppchen – liegt doch der Normalpreis einer 5-er-Packung Snickers inzwischen bei absolut wahnwitzigen 3,29 Euro! Krank. Jedenfalls waren heute schon alle Coupons weg. Und mir der Kram daher auch viel zu teuer.

Jeff, iss ein Snickers. Immer wenn du hungrig bist, wirst du zur Diva.

Verzeihung, ich suhle mich ja wieder nur in „Selbstmitleid“. Ich vermute mal, dass der Sturz Anfang Dezember für meinen Carbon-Lenker deutlich folgenreicher war, als ich es erhofft hatte. Ich fiel ja auf die linke Seite. Und genau auf jener Seite brach mir heute beim Anfahren an der Ampel in der Schäferstraße der Lenker. Ein „Krk“ ist keines der Geräusche, die man als Radfahrer gerne hört. Es ist sogar auf der Aufnahme zu hören.

Da der Lenker durch das Lenkerband, die beiden Zughüllen und das Tape um jene herum allerdings auch nicht so ohne Weiteres auseinanderfallen kann, spulte ich meine geplante Schleife über den Braunsberg und die Eselsteige ab. Gegen Ende wurde ich dann auch noch Opfer eines veritablen Hungerasts; schließlich musste ich ja beim Einkauf auf die Mars-Riegel verzichten und konnte so unterwegs dem eh schon ziemlich leeren Magen nichts zum Verdauen zuführen.

Ich habe vorhin das (erst vor ca. 3 Monaten neu montierte) Lenkerband abgewickelt. Der Riss liegt genau hinter der ersten Biegung unterhalb des Schaltgriffs; also da, wo man auch am stärksten rumzerrt. Da die Stelle aufgrund der beiden Zughüllen mit Klebeband umhüllt war, habe ich es so gelassen, wie es ist. Meine erste Hoffnung, ggf. den alten Lenker meines zweiten Rennrads einzubauen, scheitert allerdings an dessen zu kleinem Umfang. Unter Umständen könnte es noch mit der Montage des alten Vorbaus funktionieren. Aber ich lasse das jetzt einfach so. Die einzige Haltung, die nun nicht mehr wirklich fahrbar ist, ist die Unterlenkerhaltung. Ansonsten ist es halt nur etwas wabbelig. Muss halt. Wie man so schön sagt.

Das Hinterrad machte übrigens auch teilweise wieder einen gewaltigen Lärm aufgrund des über die Jahre ausgeleierten Freilaufs. Da es wohl morgen Nachmittag und am Mittwoch durchregnen wird, werde ich wohl wieder ein wenig rumschrauben. Um mein uraltes Rennrad noch einigermaßen fahrbar zu halten.

Dass für mich (oder meine Räder) nochmal irgendetwas besser oder gar gut wird – daran glaube ich nicht mehr. Danke. Für nichts.

8 Gedanken zu „Carbon-Lenker am Rennrad gebrochen“

  1. Dass das mit dem Selbstmitleid noch mal Thema wird, war mir schon klar! 😉

    Was kostet so ein Carbon Lenker?

    Und wie ist es mit dem Rest des Rahmens? Da gibt es ja auch dort Stellen mit hoher und niedriger Belastung. Habe davon echt Null Ahnung. Was gibt man so einem Rad an Lebensdauer?

    Mir ist mal an einem Rad ein Metalllenker gebrochen. Das ist wirklich unangenehm, weil man direkt durchsackt mit Kopf Richtung Vorbau. Ich hatte damals Glück, weil ich zwar Bergab fuhr, aber in dem Moment nicht sehr schnell.

    1. Einen der kältesten Sprüche, den mir ein (eigentlich eher linker) Typ aus der örtlichen Corona-Dissidenten-Gruppe an den Knopf knallte, war, dass ihm mein „egozentrisches Selbstmitleid“ auf den Sack ginge. Lustig, wenn das von Leuten kommt, die drüber gejammert haben, dass sie Ende 2021 nachts nicht mehr vor die Tür und nicht mehr ins Schuhgeschäft durften.

      Zum Lenker: Lohnt sich für das alte Ding so oder so nicht mehr; irgendwann wird da auch mal am Rahmen was knacken. Carbon hat man schon immer nachgesagt, extrem fragil zu sein. Bin mit dem Ding aber ca. 8 mal gestürzt. Hat es bislang alles gut weggesteckt. Ist aber auch kein Material für die Ewigkeit. Die Komponenten sind inzwischen halt auch schon total veraltet. Die Bremsgummis werden langsam auch sehr dünn – ob ich noch Passende finde, ist auch fraglich. Alles Kacke halt.

      1. Es war von mir nicht kalt gemeint, sondern als das was ich in deinen Artikeln wahrnehme. Ob das schlussendlich Selbstmitleid ist oder nicht, das wirst du schon selbst wissen.

        Zu diesen Jammerleuten gehörte ich übrigens nicht. Die Maßnahmen habe ich als das genommen, was sie waren, staatliche Repression, und mich dem zu widersetzen empfand ich eher als eine Art von Selbstermächtigung.
        Wobei ich definitiv nicht so konsequent war wie du. Im Supermarkt hatte ich dann doch nicht immer Bock auf den Stress. Allerdings bin ich dadurch schlussendlich auch kaum mehr in Supermärkte gegangen. Kleine Läden haben mich fast alle in Ruhe gelassen und so bin ich fast nur noch dorthin gegangen.
        Es war in der Zeit generell eine durchaus interessante Konfrontation, wenn man erstmalig irgendwo ohne Maske reinmarschierte. Als Erkenntnis ist dabei bei mir hängengeblieben, dass Migranten -hier bei mir primär Italiener- fast alle entspannt damit umgingen, wobei das durchaus erwartbar war, da deren Staatshörigkeit generell definitiv weit weit unter der von vielen Deutschen liegt.

        Beim Kunden -und mein Job bringt hin und wieder mal vor Ort Termine mit sich- habe ich es allerdings tatsächlich durchgezogen und mir diesen Dreckslappen nie aufzwingen lassen. Vor die Alternative gestellt Maske oder Termin findet nicht statt, entschieden sich dann aber doch alle lieber für den Termin… tja…

        Ein Impffake war darüber hinaus auch nie eine Option. Es ging ja schlussendlich nicht darum, ob du dir den scheiß reinjagst, sondern ob du es akzeptierst, dass sie es mit dir machen und mit jedem Fake hat man nur den Druck auf die erhöht, die offen nein gesagt haben und denen wäre ich ganz sicher nicht in den Rücken gefallen… zumal ich eh nirgendwo noch hin wollte, wo dieser Faschoscheiß verlangt wurde.

        Zu deinem Fahrrad: Gibst du das Rennrad somit auf?

        1. Ja, war ’ne bekloppte Zeit. Jedenfalls hat der Großteil der Mitläufer uns ja auch nichts anderes vorgeworfen. Also „Selbstmitleid“. Wir hätten ja einfach tun können, was man von uns verlangt. Im Endeffekt kamen viele von uns ja auch nur deshalb zusammen; weil wir andere brauchten, mit denen wir leiden konnten. Von wegen „geteiltes Leid“ und so weiter. Viele, die mein Geschreibsel in dieser Zeit gut fanden, brauchten im Endeffekt ja auch nur einen, bei dem sie sich ausheulen konnten.

          Zum Rad: Was heißt aufgeben? Ich fahre es so lange, wie es noch fahrbar ist. Vorerst dann eben auch mit ’nem kaputten Lenker.

          1. Es gabe da zumindest bei mir schon einen großen Unterschied zwischen persönlichen Kontakten und dem, was in den Medien oder auf Plattformen wie Twitter und Co. ablief. Im realen Leben waren selbst Kontakte zu Fremden, die die Propaganda voll verinnerlicht hatten, immer noch halbwegs ok. Ich landete nach einer Demo z.B. mal auf dem Rückweg in einem Büdchen, wo sich wer tierisch über die Querdullis aufgeregt hatte, weil die die halbe Stadt lahmlegen würden (was zu dem Zeitpunkt auch stimmte, denn da waren wir gut 20.000 Leute auf der Straße) und der schimpfte ohne Ende und textete mich zu, bis ich dann meinte, dass ich auch einer von denen sei… und in dem Streitgespräch, was folgte hat er sich dann tatsächlich etwas entspannt, weil ich ich ihm erklärte, dass der ganze Bullshit, dem ihm die Medien eingetrichtet haben (sowas wie Virenleugnung) komplett für die Tonne ist und es um Freiheitsrechte geht.
            Und ja ich weiß, es gab auch die These von den Viren, die es nicht gibt. Finde ich an sich auch legitim, alles muss gedacht werden können. Kann mich noch an eine Gespräch von Gunnar Kaiser mit Kubicki erinnern, wo dieser Gunnar fragte, ob es nicht bei ihm auch eine Grenze gäbe, z.B. wenn man die Existenz von Viren in Frage stellen würde und ob man mit solchen Menschen dann noch ein Gespräch führen sollte.
            Gunnars Anwort: Klar, wieso denn nicht? Wieso soll man denn mit irgendwem nicht reden?
            Sehe ich absolut genau so! Als ob Gedanken etwas gefährliches wären, egal wie vordergründig abwegig sie erscheinen.

            Zum Fahrrad: Naja, kaputter Lenker klingt erstmal nach Totalausfall sofern du dafür keinen Ersatz hast.

          2. Im Real Life hat der ein oder andere dann doch Hemmungen. Im Netz geht hingegen jede Hemmung flöten. Oder auch im Straßenverkehr; wenn man das Maul aufreißt, weil man weiß, dass der Radfahrer einen eh nicht einholen wird.

            Zur Virenfrage hatte ich hier auch mal etwas Ausführlicheres geschrieben bzw. einen merkwürdigen Dialog mit einem kurzzeitigen Kommentator. Der mir dann, weil ich beide Positionen nachvollziehen konnte, die Debatte an sich aber auch für irrelevant hielt, vorwarf, ich sei quasi ein Agent des Systems. Irre und dogmatische Ideologen gab es auf beiden Seiten. Es war schon irre, was für abstruse Weltbilder die meisten Schwurbler so hatten; das war bei manchen nicht weit weg von dem Bild, welches man von uns gezeichnet hatte. Aber egal. Vorbei.

            Zum Rad: Hatte doch geschrieben, dass ich die Tour noch weiterfahren konnte. Der Lenker ist jetzt halt links, wenn du ihn am Schaltgriff hältst, ein wenig wackelig. Nicht optimal. Aber muss halt. Vor etwas mehr als einem Jahr ging mir auch das Schaltwerk kaputt. Musste dann auch das Schaltwerk von meinem alten Rennrad dranbauen, welches allerdings auch nicht hundertprozentig passt. Wenn man wenig Geld hat, ist man es gewöhnt, dass immer irgendwo irgendwas hakt. Und man ist froh, wenn es überhaupt noch irgendwie läuft. Dasselbe Problem habe ich ja u. a. auch mit meinem uralten PC. 🙁

          3. Ja manche gehen ganz tief rein. Kann mich noch an diese Nummer mit den Tierchen auf den Messtäbchen erinnern… Morgolons oder so, kA ist echt zu lange her.

            Aber: Ich fand das wirklich nicht schlimm, sondern eher lehrreich, denn die Zeit war ja nun wirklich so abstrus irreal, dass jegliche mögliche These auf jeder Seite zur Realität von Millionen Menschen werden konnte. Und wer definiert halt am Ende, was absurd ist und was nicht? Meine und die Realität jedes anderen Menschen ist halt ein Konstrukt des Verstandes. Da kann alles bei rauskommen. Wichtig ist für mich daher nur wie man damit umgeht und dass man dabei niemanden entmenschlicht oder umgekehrt sich über andere Menschen stellt. Der Begriff Schwurbler repräsentiert dabei für mich dabei genau das. Das ist echt nicht mein Ding.
            Und ich kann durchaus auch nachvollziehen, warum Menschen so krass in solche Themen reingegangen sind, denn ihnen wurde ja praktisch täglich vorgespielt, dass alles in Frage gestellt werden kann, egal ob Logik oder nicht. Deren Weltbild, an das sie evtl. Jahrzehnte geglaubt hatten, wurde regelrecht zerhackt. Wenn das eine krasse Ding möglich ist, warum dann nicht auch ein anderes? Und das ist vielleicht auch die große Wirkung, die über die Corona Zeit hinaus geht, die komplette Zerstörung von Gewissheiten und Verortung, alles ist möglich, bis hin zur großen Weltverschwörung.

            Zum Fahrrad: Es klang jetzt erstmal nicht so, dass der Lenker dauerhaft noch verwendbar wäre, aber kam dann wohl nur missverständlich rüber.

          4. Nö. Schlimm nicht. Nur halt auch nur Ablenkung von den wirklich relevanten Themen. Wenn du da bei so manchen Weltbildern (und die gingen Teils von den Firmen-Gläubigen bis zu Flacherdlern) nicht mitgehen wolltest, warst du schnell draußen. Schwurbler benutze ich weiterhin selbstironisch. Wobei ich mich halt im Nachhinein niemals so verraten und benutzt gefühlt habe wie 2023.

            Leider zieht sich das ja auch noch bis heute. Viel zu viele fallen meiner Meinung nach ganz am Ende noch auf den abstrusen Labor-Quatsch rein. Und merken dabei nicht, wie sie damit die ganz große Lüge – nämlich die „Pandemie“ an sich – bestätigen.

            Zum Lenker: Dauerhaft verwendbar ist er sicher nicht mehr. Aber wie bereits mehrfach geschrieben: Er muss halt. Geht nicht anders. Wenn es bei mir nicht mal für Snickers reicht, dann eben auch für sonst nichts. Zumal sich in diesem Frühjahr etwas grundlegendes ändern muss. Was es aber nicht wird. Im Endeffekt warte ich nur darauf, dass mich auf der Straße endlich irgendwer erlöst.

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