Als ich vor gut zwei Jahren von Truus die Lenker-Kamera spendiert bekam, überlegte ich, die Videos auf Youtube in einem eigenen Kanal zu veröffentlichen. Allerdings ist es nicht möglich, einen Google-Account (und Youtube gehört zu diesem Dreckskonzern) ohne die Angabe einer Handynummer zu eröffnen. Also ließ ich (Handy-Hasser) es bleiben. Es wunderte mich, dass das bei X (ehemals Twitter) tatsächlich noch ohne möglich war. Meine Zeit dort brachte mir ja aber im Endeffekt auch nur Frustration ein. Da (auch stark größenreduzierte) Videodateien sehr viel Speicherplatz beanspruchen, kann ich hier auf dem mir zur Verfügung gestellten Server nicht ausnahmslos alles ablegen. Aber zumindest einen Teil.
Im April 2020 endete – mitten im sich gerade aufschaukelnden Corona-Irrsinn – meine Alltagserlebnis-Reihe. Welcher sich nebenbei auch extrem negativ auf meine Fahrleistung auswirkte. Damals berichtete ich noch in der Textform über die extremeren Erlebnisse auf meinen Touren. Inzwischen kann ich sie auch visuell dokumentieren. Ich werde in dieser neuen Reihe daher nicht alles posten, was ich am Ende speichere, sondern nur die krasseren Clips, die ich im Endeffekt auch bei X gepostet hätte. Hinzu kommt jeweils ein wenig Text mit Hintergründen.
Wir beginnen mit einem extrem asozialen Überholmanöver am 23. Januar auf der B 424 bei Althornbach. Ich bin mir relativ sicher, dass das eine Nötigung war, weil ich nicht den (bald teilweise abgerissen werden sollenden) Bahntrassen-Radweg benutzt habe. Der natürlich auch nicht benutzungspflichtig ist.
„Diese Scheißradfahrer fahren immer mitten auf der Straße!“ Wenn Autofahrer sowas (wie er hier in der Landauer Straße in Stambach) machen, ist es aber okay? Nicht wahr?
Am 24. Januar fuhr ich über die Bärenhütte in Richtung der Vollsperrung bei Höheischweiler. Über den aktuellen Stand dieser Baumaßnahme wollte ich eigentlich noch einen weiteren Beitrag schreiben. Die illegale Umleitung wurde inzwischen wieder abgebaut. Aufgrund des nächsten Bauabschnitts kommt nun eigentlich keiner mehr aus Richtung Nünschweiler legal in den Ort.
Radfahrer können die Strecke jedoch über die nördlich gelegenen Feldwege auf eigene Gefahr umfahren. Daher ist auf der Verbindung eigentlich fast nichts mehr los. Warum muss dann dieser Mann mit seinem Rad auf dem Gehweg rumeiern? In diesem infantilen, unterwürfigen und sich selbst marginalisierenden Verhalten spiegelt sich das mentale Grundproblem dieser aufs Auto fixierten Gesellschaft wider.
Später litt in der Pirmasenser Friedhofstraße dann mal wieder jemand unter Überholzwang. Überholen eines Radfahrers über eine durchgezogene Linie in den Gegenverkehr rein. Weil man keine 5 Sekunden warten kann. Warum dürfen solche Idioten überhaupt ein Auto steuern?
Am 25. Januar rächte sich der Fahrer eines weißen BMW offenkundig dafür, dass ich an der roten Ampel neben ihm angehalten hatte. Nur blöd, dass ich das gemäß § 5 (8) StVO auch ausdrücklich darf.
Etwas später ging es die Bärenhalde runter nach Rodalben. Eine berüchtigte Strecke. Nicht nur berghoch, sondern auch bergab. Ein offensichtlich Ortsfremder muss mich an einer uneinsehbaren Stelle zwanghaft überholen.
Ich überlege aktuell noch, ob ich die folgende Szene aus der Hauptstraße in Merzalben nicht auch als Nötigung bei der Polizei anzeige. Wie kann man derart rücksichtslos den Vorrang eines Radfahrers an einer Engstelle missachten?
Am 26. Januar musste ich in Winzeln kurz lachen. In der Gersbacher Straße hatte sich offenkundig sogar mal ein Autofahrer über das grob rücksichtslose Gehwegparken eines Paketsklaven aufgeregt. Und offenbar sogar ohne selbst auf dem Gehweg parken zu wollen. An der Stelle wird übrigens seit der Sanierung fast immer falsch geparkt. Die Stadtverwaltung ist nicht nur zu blöd, Schilder korrekt anzuordnen, sondern auch zu faul, dort zu kontrollieren.
In der Schäferstraße erwischte ich dann mal wieder einen Rotsünder. „Diese Scheißradfahrer fahren immer alle über Rot!“
Es folgt eine Szene aus der Landauer Straße. Überholen über eine durchgezogene Linie bei Gegenverkehr. Normal. Irre, wer sich über so etwas aufregt.
Aber zum Glück haben wir ja in der Lemberger Straße diese fantastischen „fahrradfreundlichen Stellen„. Dank dieser tollen Striche kann man Radfahrer sogar ganz ohne schlechtes Gewissen viel zu eng überholen!
Zum Abschluss eine Szene vom 27. Januar in der Hauptstraße in Münchweiler. Wie nennt man einen viel zu schmalen „Gehweg“?
Catwalk. 😉
Tja, der berühmte „Fahrradalltag“
Dieser alltägliche Wahnsinn ist ja leider so verbreitet dass sich die meisten Radfahrer garnichtmehr aufregen sondern es einfach achselzuckend zur Kenntnis nehmen wenn sie so behandelt werden.
Sogesehn wirklich ein gutes dass zumindest Du dich noch aufregst….
Die ganzen sogenannten „Schutzstreifen“ sind auch wirklich das allerletzte, Ich, also Ich als Person, bin natürlich nicht representativ, aber ICH werde auf Straßen MIT Sch(m)utzstreifen generell öfter besch*** und knapper überholt als auf Straßen ganz ohne Radinfrastruktur…
Wenn die Stadtplaner sagen wollen „Radfahren auf der Fahrbahn erwünscht“ dann malt doch Radpiktogramme drauf!
Zum Gehwegradler: Warum? einfachnur warum??
Zum „Catwalk“: Nyan!! ;P
Ich denke, die meisten nehmen es gerade nicht hin. Sondern verhalten sich so wie der Typ auf der Bärenhütte. Sie lassen sich verdrängen; selbst wenn eigentlich gar kein Grund hierfür besteht. „Schutzstreifen“ wie jener in der Lemberger Straße sind in der Tat der letzte Dreck; du wirst sprichwörtlich an den Rand gedrängt, während die Autos mit beschissenen Abständen an dir vorbeirauschen. Es braucht eigentlich auch keine Piktogramme, die in RLP auch nicht zulässig sind. Man sollte einfach alles so lassen, wie es ist. Und den Autofahrern verklickern, dass sie kein Vorrecht auf die Benutzung von Straßen haben.
Dass diese sog. Piktogrammketten rechtlich solches Neuland sind wusste ich noch garnicht.
Bei uns in NRW werden sie meist dort angebracht wo für Radfahrer „Fahrbahnpflicht“ besteht, obwohl der Gehweg einen verlockend befahrbaren Eindruck macht, oder es früher dort einen Angebots bzw ganz früher verpflichtenden Radweg gab.
Ich finde die Dinger eigentlich garnicht schlecht, sie verdeutlichen dem Autofahrer dass hier mit Radfahrern zu rechnen ist, Radfahrern das sie hier auf der Fahrbahn fahren dürfen oder müssen und verleiten dabei, im Gegensatz zu Sch(m)utzstreifen nicht zu zudichtem Überholen.
Keine „richtige“ Radinfrastruktur, aber immernoch besser als Schutzstreifen, diese sollte es meiner Meinung nach nur als „Am Ampelrückstau Vorbeischummelspur“ in Kreuzungsbereichen geben.
Ich lese mir mal bei Gelegenheit deine Beiträge dazu durch.
Wie im verlinkten Beitrag erwähnt: Fahrräder gehören nach § 2 (1) StVO grundsätzlich auf die Fahrbahn. Dieser Piktogramm-Blödsinn kommt höchstens dann in Betracht, wenn es um Straßen geht, in denen man Autofahrer über Jahre oder Jahrzehnte mittels beschissener Ghettos daran gewöhnt hat, dass die Fahrbahn alleine ihnen gehört. Der LBM hat auch recht mit seinem Einwand, dass umgekehrt der Eindruck erweckt wird, dass überall dort, wo der Käse nicht aufgepinselt wird, Radfahrer nicht hingehörten.
Da hast du ja wieder krasse Sachen erlebt. Ich bin ja echt froh, dass ich auf meinem Arbeitsweg inzwischen gute Infrastruktur vorfinde. Aber bei dem Schnee derzeit, muss ich halt auf der Fahrbahn fahren. Was ich allein gestern dabei wieder alles erlebt habe, ist absolut unterste Schublade. Ich fühle mit dir und allen, die meinen aktuellen Luxus nicht haben.
Wenn es ok ist, würde ich mir wieder ein paar Szenen raus nehmen und auf meinem Kanal veröffentlichen. Hab ich ja bisher auch so gehandhabt. Es dürften auch bald die ersten Szenen von dir auf meinem Kanal auftauchen.
Also deine Clips aus Leipzig dokumentieren m. E. vieles, aber keine „gute Infrastruktur“. 😉 Hoffe, die Veröffentlichungen bei dir bringen einen kleinen Anschub. Die Besucherzahlen und Seitenaufrufe haben zwar zugenommen, dümpeln allerdings immer noch auf einem kaum wahrnehmbaren Niveau herum. 🙁